Feste feiern

06. Feb 2022


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Foto: © nerudol / AdobeStock


Am besten war damals doch die unorganisierte, spontane Party, an die sich jede und jeder gerne erinnert. Der Nachbar schleppte eine Flasche Wein an, die er für einen besonderen Anlass reserviert hatte. Die Freundin brachte ein paar Häppchen mit, die eigentlich nur bessere Cracker mit Käse waren. Alle haben sich gegenseitig Zettel an die Stirn geklebt mit Namen prominenter Persönlichkeiten, die man versuchen musste, durch Fragen herauszufinden; denn nur die anderen wussten, wer man war. Die Initiative dazu kam natürlich von der entfernten Cousine und ihrem Mann. Was wurde gelacht an diesem Abend und natürlich kam der Wunsch auf, das bald zu wiederholen.
Aber kann man so etwas überhaupt neu auflegen? Es gelingt wohl am besten, wenn niemand im Stress ist, perfekte Gastgeber sein zu müssen. Um Feste zu feiern, wie sie fallen (oder auch mal nachzuhelfen), sollte man vereinbaren, dass jeder das macht, was sie oder er am besten kann: einen Salat zubereiten, den Kaffeeklatsch mit selbstgebackenem Kuchen versüßen, passende Musik aussuchen oder schlicht gute Laune verbreiten. Aufseiten der Gastgeber gehört hier ein bisschen (De-)Mut dazu, nicht alle Fäden in der Hand zu haben, aber das Gute daran ist, dass niemand alles machen muss und niemand nichts. Normalerweise ist es ja so, dass ein Fest nicht nur an dem einen bestimmten Termin stattfindet. Erst gehen etliche Tage für die Vorbereitung drauf und dann gibt es noch den „Katertag“ danach, an dem man alles wegräumen muss. Wenn man Letzteres zusammen mit den Gästen erledigt, kann es sogar Spaß machen – vorausgesetzt, die Gastgeber lassen es zu.
Da die besten Party bekanntlich in der Küche stattfinden, kann man das Feiern gleich dorthin verlegen. Nach der Abstimmung darüber, was kredenzt werden soll, teilt man das Einkaufen der Zutaten auf, aber gekocht wird gemeinsam. Es macht einfach mehr Spaß, als wenn man allein für die Menüfolge verantwortlich ist. Bekennende Inhaber zwei linker Hände sind als Helferlein immer gern gesehen und genauso gefragt wie versierte Köche. Meist ergeben sich so die besten Gespräche: nie wurde tiefsinniger philosophiert oder mehr gelacht als beim Rühren in der Tomatensoße. Wenn man allerdings davon überzeugt ist, dass trotz guter Zutaten und den besten Rezepten nichts Genießbares beim gemeinsamen Kochen herauskommen kann, kann ein Koch auch gemietet werden, der in die eigene Wohnung kommt und dort Leckereien zaubert. Oder man greift einfach auf das Catering seines Vertrauens zurück.
Wer meint, einer lockeren und ausgelassenen Stimmung etwas auf die Sprünge helfen zu müssen, kann dem Feiern ein Motto geben. Anlässe bieten nicht nur äußere, vorgegebene Ausnahmezeiten wie Karneval oder Halloween, ein eigens geschaffener Grund zum Aussteigen aus dem Alltag ist meist sogar die beste Intention. Mit „Fehlkauf“, „Ich vor 20 Jahren“, „B-Prominenz“ oder anderen schrägen Themen regt man zum Nachdenken an, wie jede und jeder Einzelne es umsetzen könnte. Dabei sollte man es den Gästen überlassen, ob sie sich – je nach Temperament – komplett verwandeln wollen oder „nur“ ein witziges Accessoire mit sich tragen. Sind die Gäste mehrheitlich Verkleidungsmuffel, sollte man lieber auf Mottos verzichten oder auf solche zurückgreifen, die leicht umzusetzen sind, wie etwa Farben. Beliebt ist hierbei die Party „in Weiß“.
Sobald die Temperaturen wärmer werden und man wieder draußen feiern kann, könnte man die etwas in Vergessenheit geratene Form des Picknicks aufgreifen. Das eignet sich schon jeher dafür, dass die „Picknicker“ etwas Leckeres mitbringen. Für alle, die weder Lust auf Sitzen im feuchten Gras haben, noch einen Gutteil des eigenen Haushalts durch die Gegend schleppen möchten, wären selbstorganisierte „Straßenfeste“ eine Alternative. Dazu braucht man lediglich Stühle und Tische für den Eigenbedarf sowie nette Nachbarn, die gerne mit von der Partie sind. Denn das Essen wird bei Gastronomen vor Ort bestellt, die im besten Fall auch liefern. Vor der eigenen Haustür sitzend kann man genügend Abstand einhalten und hat immer noch die Möglichkeit, mit den lieben Menschen von „jenseits des Gartenzauns“ zu plauschen.
In Zeiten der Pandemie ist die Sehnsucht, aus dem Alltag auszusteigen, unglaublich groß. Daher muss es nicht der ganz große Rahmen sein, den man vielleicht zuvor gewohnt war. Auch wenige Gäste – so wie eben aktuell zulässig – reichen aus, um gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen. Denn gute Freunde, nette Nachbarn oder geschätzte Kollegen zu haben ist Grund genug, sich zu freuen und zu feiern.
Da wird die Feier unvergesslich, ganz von allein.

meditaxa Redaktion

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