Unbezahlte Patientenrechnungen: was nun?!

02. Aug 2022

Privatpatienten und Selbstzahler sind für Praxen von elementarer Bedeutung. Schwierig wird es, wenn die OPOS-Liste  immer länger wird, weil man auf die Zahlungseingänge warten muss. „Schuldeneintreiben“ ist generell ein sensibles  Thema. Manche Konfliktsituation kann man eventuell mit ein wenig Vorarbeit umgehen. In letzter Instanz sollte der Weg zu einem Inkassounternehmen führen:
Rechnungen sollten Sie umgehend oder zumindest zeitnah zur erbrachten Leistung – also nicht erst zum Quartalsende oder nach Monaten – stellen. Achten Sie auf inhaltlich korrekte Rechnungen mit allen notwendigen Angaben. Enthält die Rechnung Fehler, können Patienten eine Korrektur verlangen und schieben die Zahlung weiter auf.
Auch klare Zahlungsfristen können helfen, dass Patienten Zahlungsziele eher einhalten. Wird ein fester Termin kommuniziert, entstehen keine Missverständnisse, bis wann der offene Betrag zu entrichten ist. Idealerweise sollten Rechnungsstellung und Mahnwesen durch festgelegte interne Termine und der entsprechenden Software automatisiert sein. Außerdem gilt:
Eine konsequente Überwachung des Zahlungseingangs ist das A und O eines effizientes Mahnwesens. Denn nur so können offene Posten gezielt weiterverfolgt und entsprechende ausstehende Beträge nach Ablauf der Zahlungsfrist angemahnt werden. Bereits nach der ersten Mahnung – dem „Erinnerungs-Service“ – werden zahlungswillige Patienten, die die ursprüngliche Rechnung vielleicht einfach nur verlegt haben, reagieren. Sollte dies nicht der Fall sein, kann ein Mahn-Turnus festgelegt werden, mit dem die Betroffenen in kurzen Abständen über ihre offene Rechnung und mögliche Konsequenzen der Nichtbegleichung informiert werden.
Bleibt die Zahlung weiterhin aus, sollte man das Gespräch suchen. Vielleicht gibt es einen konkreten Grund für den Zahlungsverzug. Nur wenn Probleme angesprochen werden, besteht die Chance, eine individuelle Lösung zu finden wie bspw. eine Ratenzahlung.

TIPP: Wie sehr man sich auch über offene Posten ärgert – es hilft nichts, seinen Frust in den Mahnschreiben zu manifestieren oder den Ärger in einem Telefonat am Betroffenen auszulassen – ganz im Gegenteil. Mahnungen und „Krisengespräche“ sollten stets sachlich gehalten werden – der Zweck ist es, den Patienten auf das verstrichene Zahlungsziel hinzuweisen und eine Lösung zu finden.

Bleiben außergerichtliche Bemühungen ohne Erfolg, bleibt nur die Klage oder der Weg zum Inkassodienstleister, der das Forderungsmanagement übernimmt – also auch einen Gerichtsvollzieher zum Gläubiger schickt oder das gerichtliche Mahnverfahren eröffnet. Der dann erwirkte Vollstreckungstitel ist 30 Jahre lang gültig und wird vom Forderungsmanagement-Spezialisten für die gesamte Dauer seiner Gültigkeit überwacht.


HINWEIS

Auch beim Forderungsmanagement muss die ärztliche Schweigepflicht eingehalten werden. Um einen Verstoß bei der Weitergabe der entsprechenden Daten zu verhindern, sollten Patienten schon im Vorfeld der Behandlung eine vorsorgliche Entbindungserklärung unterzeichnen.

Ein Hinweis im letzten Mahnschreiben, dass die Sache an einen Inkassodienstleister übergeben wird, reicht nicht aus:

Eine stillschweigende Zustimmung des Patienten für die Entbindung von der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht dürfte im Ernstfall keiner rechtlichen Prüfung standhalten.

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