leitartikel

Strategie. Vorbereitung. Ruhestand.

- Teil III -

Die letzten Schritte bis zum Ruhestand:
Die Abgabe der eigenen Praxis ist wohl die größte – auch emotionalste – Herausforderung, die vor dem Abschied in den Ruhestand gemeistert werden muss. Mit einer klugen und weitsichtigen Planung können zumindest finanzielle Einbußen umgangen werden.
Für den Rest gibt es Taschentücher.


Laut Bundesärztekammer sind in Deutschland rund 77 Prozent der niedergelassenen Ärzte 50 Jahre und älter – ein Alter, in dem die Ruhestandsplanung an Bedeutung gewinnt. Die Nachfolgeregelung gestaltet sich zunehmend schwierig: Auf die vielen potenziellen Ruheständler folgt weit weniger medizinischer Nachwuchs, der sich – gerade in ländlichen Gebieten – niederlassen möchte. Eine frühzeitige Planung ist somit unabdingbar: Ab welchem Zeitpunkt sollte der Niedergelassene seine Berufstätigkeit komplett einstellen? Je nach Art der Praxis – Einzel- oder Gemeinschaftspraxis – und Eintritt in den Ruhestand – schrittweise Reduktion der Arbeitszeit oder Komplettausstieg – gelten verschiedene Besonderheiten.


1. Einzelpraxis – für Realisten

Reduktion der Arbeitszeit ist schwierig, da viele Kassenärztliche Vereinigungen Anforderungen an die persönliche Präsenz des Praxisinhabers stellen. Eine Möglichkeit wäre, die bereits mehrere Jahre vor dem angepeilten Austrittzeitpunkt in die Wege geleitet werden muss, die Suche nach einem Kollegen, der erst nur zeitweise in der Praxis arbeiten möchte und, nach einigen Jahren, im Bestfall die Nachfolge antritt. Nur wer die Nachfolgesituation seiner Praxis realistisch betrachtet, kann seinen Ruhestand valide planen. Praxisabgabe oder -aufgabe: Dazu gehört eventuell auch die bittere Erkenntnis, dass das persönliche Lebenswerk unverkäuflich ist. Es nützt aber alles nichts: Wichtig ist die Klarheit über die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufs und den zu erzielenden Erlös.

Wird eine Praxis tatsächlich geschlossen, stellt sich die Frage nach den Kosten für einen eventuellen Rückbau einer gemieteten Immobilie. Befindet sich die Praxis in der eigenen Immobilie, muss im Vorfeld mit dem Steuerberater geklärt werden, ob nach der Aufgabe durch zuvor erfolgte Abschreibungen eine Nachforderung durch das Finanzamt erfolgen kann. Kommen durch den Rückbau oder das Finanzamt Kosten auf den Praxisinhaber zu, die nicht durch den Verkauf der Praxis gedeckt werden können, müssen diese aus anderen Quellen finanziert werden. Dieses Geld steht – neben dem fehlenden Verkaufserlös – nicht für die Ruhestandsplanung zur Verfügung und muss entsprechend einkalkuliert werden. Bei der Einschätzung eines Verkaufserfolgs hilft­ die Recherche in entsprechenden Angebots- und Abgabeportalen für Arztpraxen. Scheint es realistisch, einen Nachfolger zu finden, können verschiedene Maßnahmen die Attraktivität der Praxis erhöhen: Sanierung der Räume, das Ersetzen älterer Medizintechnik, Überarbeitung und Klärung von Arbeitsverträgen, Erweiterung des Behandlungsangebots oder Kooperationen mit anderen Praxen. Vor dem Verkauf müssen natürlich noch bestehende Kreditbelastungen der Praxis bezahlt sein und der Verkaufserlös muss versteuert werden.

Die Verkaufsplanung nicht mit dem 60. Geburtstag angehen
Auch wenn Ärzte generell keine Zeit für noch mehr Bürokratie haben, viele vorbereitende Maßnahmen für den Praxisverkauf benötigen mehrere Jahre, um zu wirken.

Steuervorteile während des Praxisverkaufs
Befindet sich auch die Praxisimmobilie im Eigentum des Arztes, so kann er weitere profitable Register ziehen. In diesem Fall empfiehlt es sich, den Praxisbetrieb und die Praxisimmobilie wirtschaftlich voneinander zu trennen. Auf diese Weise kann der Arzt seinen Verhandlungsspielraum beim Praxisverkauf ausweiten. Der mögliche Nachfolger muss so nämlich nicht mehr zwingend die Praxisimmobilie dazukaufen. Seine Investitionskosten sinken und der Noch-Inhaber kann die Praxisimmobilie an den Praxisnachfolger verpachten. Die eingehenden Mieteinnahmen dienen ihm zukünftig als weiteres Standbein seiner Altersvorsorge.




2. Gemeinschaftspraxis – passend aussteigen

Bei einer Gemeinschaftspraxis oder einer Berufsausübungsgemeinschaft­ gibt es weitere Optionen. Neben dem Komplettausstieg kommen auch andere Varianten wie die schrittweise Verringerung des Praxisanteils oder die Abgabe des Anteils und die weitere Beschäftigung als angestellter Arzt in Frage. Gerade die letzte Variante bietet für die Ruhestandsplanung einen positiven Nebeneffekt: Als Angestellter kann der einstige Teilhaber nun die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge nutzen. Auch und gerade bei verhältnismäßig kurzen Laufzeiten kann die Rendite durch die staatliche Förderung äußerst attraktiv sein.


3. MVZ als Alternative zum Praxisverkauf

Bei der Gründung eines MVZ stellt sich gerade älteren Ärzten häufig die Frage, ob es sich nicht vielmehr lohnt, die Praxis aufzugeben und zu veräußern, um entweder in den Ruhestand zu gehen oder gegebenenfalls noch einige Zeit als angestellter Arzt im MVZ weiterzuarbeiten. Eine solche Entscheidung kann steuerlich vorteilhaft­ sein: Jeder Freiberufler kann einmal in seinem Leben eine besondere Steuerbegünstigung in Anspruch nehmen. Veräußerungsgewinne aus dem Unternehmensverkauf können auf Antrag mit einem ermäßigten Steuersatz besteuert werden, wenn der Steuerpflichtige sein 55. Lebensjahr vollendet hat. Der ermäßigte Steuersatz auf den Gewinn beträgt grundsätzlich 56 Prozent seines durchschnittlichen Steuersatzes.

Veräußerungsgewinn ist steuerpflichtig
Zudem mindert sich der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn beim Verkauf einer Praxis laut EStG um einen Freibetrag von maximal 45.000 Euro. Der Freibetrag ermäßigt sich aber auch um den Anteil, der einen Veräußerungsgewinn von 136.000 Euro übersteigt. Der rechtzeitige Verkauf der Praxis an ein MVZ kann daher zwei Vorteile haben: Zum einen kann eine finanziell lohnende Praxisnachfolge auch dann noch realisiert werden, wenn kein junger Kollege die Praxis übernehmen will oder zumindest keiner der Interessierten bereit oder in der Lage ist, den geforderten Kaufpreis zu zahlen. Zum anderen können die Steuervorteile aus dem Praxisverkauf genutzt werden, wenn zum Zeitpunkt der Veräußerung das 55. Lebensjahr vollendet ist.

Hilfe bei der Nachfolgersuche
Einen Nachfolger kann man auf unterschiedliche Weise finden: Neben Online-Portalen und die Erfassung praxissuchender Kollegen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen bieten sich auch externe Dienstleister an. Diese verfügen über eine breite Palette an Leistungen: von der eigentlichen Suche nach möglichen Nachfolgern bis zum Komplettpaket inklusive Leistungen wie Ausschreibung, Wertbestimmung, Interessentenselektion oder Gesprächsbegleitung. Auch hier hilft­ eine frühzeitige Orientierung, um die gewünschte und gebotene Form der Unterstützung festzulegen.



Aufgepasst: Jemand hat noch ein Wörtchen mitzusprechen
Ein passender Nachfolger wurde gefunden, die Verhandlungen über den Preis Ihres Lebenswerkes sind erfolgreich abgeschlossen – im Bestfall haben Sie auch Mängelhaftungsansprüche vertraglich ausgeschlossen – der Zeitpunkt ist auch fixiert, es kann also losgehen. Außer der Zulassungsausschuss ist mit der getroffenen Wahl nicht einverstanden. In gesperrten Planungsbereichen kann das zu einem echten Problem werden.

Praxisbeispiel: Niedergelassene Ärztin N

  • N hatte sich ihre Praxisabgabe anders vorgestellt – im Nachbesetzungsverfahren hatte sie sich mit zwei Bewerbern über die finanziellen Konditionen geeinigt, der dritte Bewerber jedoch hielt den Kaufpreis für überhöht. Er erklärte sich bereit, die Praxis für die Hälfte des Preises zu kaufen. Unsere Ärztin N hatte in diesem Fall nicht das letzte Wort: In gesperrten Planungsbereichen ist es Aufgabe des paritätisch mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen besetzten Zulassungsausschusses, den geeigneten Praxisnachfolger im Ausschreibungsverfahren nach „pflichtgemäßem Ermessen“ auszuwählen.

Aber das kann für den Praxisinhaber teuer werden, denn: „Die wirtschaftlichen Interessen des ausscheidenden Vertragsarztes oder dessen Erben sind nur insoweit zu berücksichtigen, als der Kaufpreis die Höhe des Verkehrswerts der Praxis nicht übersteigt“ (Paragrafen 103, Absatz 4, SGB V).

Sehr zum Leidwesen von N wählte der Zulassungsausschuss den dritten Bewerber wegen seiner angeblich besten fachlichen Qualifikationen aus. Dieser war nach Diskussionen mit der Praxisinhaberin sogar bereit, den geforderten Kaufpreis zu zahlen. Damit war aber der Zulassungsausschuss nicht einverstanden und bestand darauf, ein Gutachten zum Verkehrswert der Praxis einzuholen, um so überhöhte Forderungen zu verhindern.


HINWEIS

Ausscheidenden Ärzten oder ihren Erben gibt das Gesetz das Recht auf einen Kaufpreis bis maximal zum Verkehrswert. Es gibt ihm aber keine Rechtsposition gegenüber dem Zulassungsausschuss auf den Anspruch auf einem Kaufpreis, der die Höhe des Verkehrswerts übersteigt. Der Zulassungsausschuss hat das Recht, die Höhe des Wertes der Praxis zu ermitteln. Bei gleicher Eignung zweier Bewerber kann der Zulassungsausschuss demjenigen Bewerber den Vorzug geben, mit dem sich der Praxisabgeber über den Kaufpreis geeinigt hat. Das gilt nach Meinung des Landessozialgerichts aber nur dann, wenn sich diese Einigung auf einen dem Verkehrswert entsprechenden Praxisverkaufspreis bezieht.


Durch dieses Vorgehen soll vor allem verhindert werden, dass Praxisinhaber aus der Knappheit der zur Verfügung stehenden Arztsitze Kapital schlagen und der höhere Preis nicht auf einer zusätzlichen Leistung des Arztes beruht. Ein Vertragsarzt, der eine Praxis zu überhöhten Preisen erwirbt, geht nämlich eine Belastung ein, die er angesichts der budgetbedingt begrenzten Praxiseinnahmen nur schwer auszugleichen vermag. Für die meisten Vertragsärzte ist der Verkauf der Praxis an einen geeigneten Nachfolger zu angemessenen finanziellen Konditionen die Voraussetzung für das Auskommen im Ruhestand. Eine Kaufpreiskontrolle durch den Zulassungsausschuss kann aber mit finanziellen Einbußen verbunden sein.


Die Praxisnachfolge, beziehungsweise die Aufgabe des eigenen Lebenswerkes bringt viele Fragen, viele Hürden und Emotionen mit sich. Man sollte sich früh aktiv damit beschäftigen und realistisch die Situation betrachten. So kann dieser Baustein effektiv, profitabel und einfacher in die strategische Ruhestandplanung integriert werden. Um sich gewissenhaft auf den Ruhestand vorbereiten zu können, wenden Sie sich unbedingt an Ihren Steuerberater und Rechtsanwalt. Die Experten helfen Ihnen, alle wichtigen Aspekte angemessen und frühzeitig vorzubereiten.



meditaxa Redaktion

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