Zur Kasse bitte.

04. Mai 2020


Heiraten ist doch was Schönes – in guten wie in schlechten Zeiten, auf immer und ewig, der perfekte Tag… diese Hoffnungen und Versprechungen nehmen bei 33 Prozent der Deutschen ein böses Ende, so die aktuelle Scheidungsquote.
Das Thema Unterhalt ist für viele Ex-Partner bereits vor der rechtskräftigen Scheidung ein rotes Tuch, denn viele Mythen ranken sich darum: Wie sieht es mit dem Geld nach der Trennung aus? Wer bekommt von wem was und wie lange?

„Drei Jahre Unterhalt vom Ex-Partner ab rechtskräftiger Scheidung“

Ein Gerücht, dass sich bis heute hält. So pauschal lässt sich die Dauer der Unterhaltszahlung – sollte es zu einer kommen – aber nicht festlegen. Die Gerichte betrachten heutzutage dezidiert die Umstände jedes einzelnen Falls und entscheiden anhand der Gegebenheiten, wer welche Zahlungen leisten muss und wie lange diese getätigt werden sollen.

Beispiel: Findet der Ex-Partner nach der Scheidung keinen oder nur schwer einen neuen Job, ist es möglich, dass sie oder er zumindest für einen gewissen Zeitraum eine Finanzspritze vom geschiedenen Partner erhält. Vorausgesetzt dieser verdient genug, um etwas abzugeben. Dabei gilt: Je länger eine Ehe hielt, desto länger fließt der sogenannte Aufstockungsunterhalt.

Gehaltsunterschiede sind nicht alleiniger Indikator für einen Anspruch auf langanhaltende Zahlungen: Wer nachweislich aufgrund der Eheschließung auf seine „Karriere“ verzichtet hat, kann versuchen einen Ausgleich der „ehebedingten Nachteile“ zu erwirken. Hypothetische Karriereverläufe, die sich ohne eine Eheschließung ergeben hätten, lassen sich zwar sehr schwer rekonstruieren, bei hierarchischen, klar strukturierten Berufswegen ist der Nachweis durchaus möglich.

Beispiel: Eine junge Studienrätin mit Aussicht auf Verbeamtung gibt ihren Job auf, um mit ihrem Mann ins Ausland zu ziehen, weil dieser dort eine lukrativere Anstellung als Chefarzt antritt. Im Falle einer Scheidung kann sie nicht nur die Differenz zwischen dem Gehalt einer angestellten und einer verbeamteten Lehrerin verlangen – der Exmann muss auch noch jeden Betrag ausgleichen, der ihr entgeht, weil sie während der Ehe nicht befördert wurde, im Zweifel sogar auf Lebenszeit.

„Eine wilde Ehe schützt vor Unterhaltsdebatten nach der Trennung“

Nicht falsch, aber auch nicht richtig. Ex-Partner, die unverheiratet wieder auseinander gehen, schulden sich gegenseitig keinen Unterhalt. Entstand aus der Ehe ohne Trauschein allerdings gemeinsamer Nachwuchs, wird für diesen Unterhalt fällig sowie für denjenigen, der das Kind oder die Kinder betreut. Dieser Betreuungsunterhalt kann zumindest in den ersten drei Lebensjahren vom Ex-Partner verlangt werden. Hat der betreuende Elternteil weiterhin keine oder nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, das Kind von Dritten betreuen zu lassen um den eigenen Lebensunterhalt verdienen zu können, kann der Ex-Partner weiterhin zur Kasse gebeten werden. Die Höhe der Zahlungen orientiert sich normalerweise am Einkommen, dass dem Betreuenden nachhaltig zur Verfügung stünde, wenn er sich nicht um das gemeinsame Kind kümmern müsste.

meditaxa Unterhalt: Zur Kasse bitte

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„Ist der Nachwuchs 18, ist man raus“

Falsch gedacht.  Eltern sind verpflichtet, den Lebensbedarf ihres Kindes sicherzustellen. Diese Pflicht endet nicht mit der Vollendung des  18. Lebensjahres, sondern erst, wenn das Kind finanziell auf eigenen Beinen stehen kann (oder zumindest sollte). Bis zum Abschluss der Erstausbildung haben auch über 18-jährige Kinder einen Anspruch auf Unterhalt. Dabei muss auch eine Orientierungsphase des beruflichen Weges berücksichtigt werden sowie eine Umorientierung während der Erstausbildung. Diese jugendlichen Orientierungen in der Berufswelt sind unterschiedlich zeitlich begrenzt. Verdient das volljährige  Kind neben Schule oder Studium regelmäßig etwas dazu, müssen Eltern weniger zahlen. Auch BAföG, Stipendien und das Kindergeld zählen zum eigenen Einkommen des Kindes und können bei den Unterhaltszahlungen berücksichtigt werden.

„Eine neue Liebe ist wie kein Unterhalt mehr…“

Der Unterhaltsanspruch erlischt nur, wenn der Unterhaltsempfänger erneut heiratet. Wer eine neue Beziehung eingeht, verliert nicht automatisch seinen Anspruch auf den Unterhalt vom Ex-Partner. Kann allerdings eine verfestigte Lebensgemeinschaft angenommen werden, kann auch eine Beziehung ohne Heirat Anlass sein, dass die Zahlungen vom Ex-Partner eingestellt werden können. Indikatoren für eine wirtschaftlich weitreichende Verflechtung eines Paares sind beispielsweise gemeinsamer Nachwuchs oder die Anschaffung gemeinsamer Wirtschaftsgüter (Auto, Haus, Lebensversicherung). Der gemeinsame Haushalt per se gilt in dem Fall nicht als hinreichender Nachweis, um Unterhaltszahlungen einzustellen.

„Unterhalt ist steuerfrei“

Wer Unterhaltszahlungen vom Ex-Partner erhält, muss diese auch als Einkommen versteuern, sofern der Leistende diese als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen will.

Quelle: meditaxa Redaktion

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