Beratung und Konsile abrechnen: Kommunikation mit modernen Medien

06. Mai 2020


Die Kommunikation über „neue Medien“ schließt nicht automatisch die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten aus – Telefonate, E-Mails, WhatsApp – alles nicht ganz so „neu“ und dennoch zu neu für die in die Jahre gekommene GOÄ. Wie können Ärzte die moderne Kommunikation mit ihren Patienten sicher abrechnen?

Nummer 1 und 3 GOÄ lassen vorerst keinen Zweifel bei der Abrechnung aufkommen: In ihren Leistungstexten ist jeweils „auch mittels Fernsprecher“ (Telefon, Handy und Smartphone) ausdrücklich erwähnt.
Nummer 2 GOÄ verhält sich ähnlich, hier dürfte zum Beispiel auch die MFA ärztliche Anweisungen und Befunde übermitteln. GOÄ 2 darf „anlässlich einer Inanspruchnahme des Arztes nicht zusammen mit anderen Gebühren berechnet werden“. Da im Regelfall ihr Wert nicht 3,15 Euro übersteigt, sollte diese Leistung nur abgerechnet werden, wenn periodisch wiederkehrende Laborbefunde durch die MFA übermittelt werden. Eine telefonische Beratung durch Ärzte, berechenbar nach Nummer 1 GOÄ, ist mit durchschnittlich 10,72 Euro besser bewertet und ist mit Fokus auf die Patientenbindung eher zu empfehlen.
GOÄ-Nummer 4 darf einmal im selben Behandlungsfall abgerechnet werden, wenn Ärzte wegen einer Patientin oder einem Patienten nähere Auskünfte aus dem Familienkreis oder dem Pflegepersonal benötigen und Anweisungen erteilen. Dies geschieht meistens telefonisch und fällt in Zusammenhang mit der Behandlung der Patienten unter „Unterweisung und Führung der Bezugsperson/en“. Das ärztliche Konsil nach Nummer 60 GOÄ findet häufig telefonisch oder per E-Mail statt. Zu beachten ist dabei, dass mindestens einer der Konsiliarii zuvor unmittelbaren Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten hatte. Konsilien mit mehreren Kollegen unterschiedlicher Fachgebiete müssen mit Uhrzeiten in der Patientenakte dokumentiert werden. Dafür dürfen die behandelnden Ärzte jeweils Nummer 60 GOÄ berechnen. Wird der Patient bei unterschiedlichen Fachgruppen behandelt, kann pro Konsil einmal Nummer 60 von jedem teilnehmenden Arzt berechnet werden.
Die AU per WhatsApp beispielsweise wirft in dem Fall die Frage auf, was Ärzte genau in Rechnung stellen können. Erfolgt vor Ausstellung der AU per App keine telefonische Beratung, bei der sich Ärzte von den Beschwerden ihrer Patienten von der AU überzeugen können, wird sich die AU per App vermutlich nicht durchsetzen. Aber ganz gleich wie eine AU entsteht – mindestens Nummer 1 und Nummer 70 GOÄ können abgerechnet werden. Verschickt man die AU mit der Post, darf das Porto von mindestens 80 Cent nicht vergessen werden.

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Beratung per E-Mail oder Chat gehört in einigen Praxen bereits zur Normalität – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist diese Möglichkeit des Patientengesprächs eine gute Alternative zum persönlichen Beratungsgespräch in der Praxis. Findet kein Beratungsgespräch im Austausch via E-Mail oder Chat statt (im Sinn von Frage-und-Antwort), erweist es sich dennoch als praktikabel, diesen Austausch mit Nummer 1 abzurechnen. Jede selbstständige Inanspruchnahme sollte für eine korrekte Liquidation von den Ärzten mit Uhrzeiten dokumentiert werden. Dauert die gemeinsame Sitzung am PC während des Arzt-Patientengesprächs länger als 10 Minuten, kann sogar die Abrechnung einer Nummer 3 gerechtfertigt sein.
Fazit: Auch für Telefon-, E-Mail- und Chatberatungen gilt der Rahmen der GOÄ, dabei sind Zeitaufwand, Schwierigkeitsgrad und die Umstände bei der Ausführung zu bedenken, um das Honorar ggf. über dem 2,3-fachen Satz ansetzen zu können.


Quelle: meditaxa Redaktion



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