Der Krise die Krone aufsetzen

04. Mai 2020


Plötzlich spricht Jede und Jeder von „diesen Zeiten“ und meint die durch das Auftreten eines neuartigen Coronavirus bedingten Einschnitte ins öffentliche und private Leben. Alle sind aufgefordert, die virale Verbreitung einzudämmen. Dass es dabei zu neuen Schwierigkeiten des Alltags kommt, ist verständlich, denn grundlegende Bedürfnisse wollen erfüllt sein.

Das Augenmerk liegt dabei aber oft nur auf dem Naheliegenden, dem Hier und Heute, dem Ich und dem direkten Gegenüber. Aber es braucht auch die Weitsicht, den Blick über den Tellerrand hinaus, das Denken von der Zukunft her, um selbst „diese Zeiten“ gut und vorausschauend zu gestalten. Denn jede Krise ist immer auch eine Chance.

Wie steht es um die guten Aussichten?

Gesellschaftlich gesehen

Es fragen Nachbarn, ob sie für Ältere einkaufen sollen, Unternehmen spenden für Forschungszwecke oder caritative Einrichtungen. Egal, ob großer oder kleiner Beitrag, die meisten von uns haben längst gemerkt, dass sich eine neue Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Solidarität etabliert. Durch die fehlende räumliche Nähe rücken Menschen im übertragenen Sinn näher zusammen. Man hat wieder Zeit, nach einander zu fragen. „Wie geht es Dir?“ ist keine Floskel mehr, sondern oft Einleitung zu einem langen Telefonat. Auch halbvergessene Freunde melden sich wieder und ein grüßendes Winken von Fenster gegenüber ist mehr wert als jeder Like bei Facebook. Es geht wieder um die Qualität der Beziehungen, nicht um Quantität.

Arbeiten und Leben

Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind die „Schreibtischtäter“ jetzt im Homeoffice angekommen. Ob Küchentisch oder Wohnzimmer als Büro herhalten müssen und die
„Kollegen“ gerade die eigenen Kinder sind, eine neue Flexibilität ist notwendig, um Leben und Arbeit gut zu verbinden, aber auch gut zu trennen. Der Wechsel zwischen Beruflichem und Privatem lässt sich ohne Pendeln schneller vollziehen und es bleibt mehr Zeit, denn ist Bruttoarbeitszeit gleich Nettoarbeitszeit. Auch Arbeitgebern fällt die neue Effizienz auf, weil dank Selbstorganisation konzentrierter und verantwortungsbewusster gearbeitet wird. Allen, die nicht im Gesundheitswesen oder der Lebensmittelversorgung arbeiten, ist mitunter bange, ob der Job die Krise übersteht. Vielleicht hilft es, sich auf das zu besinnen, was einen wirklich erfüllt. War die Arbeit bislang der alleinige Sinnstifter, ist jetzt die beste Zeit zu lernen, auch andere Bereiche des Lebens wertzuschätzen.

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© Halfpoint- stock.adobe.com

Prima Klima

Ob wir wollen oder nicht – momentan sparen wir jede Menge Kohlendioxidemissionen ein. Die Luft in den sonst berühmt-berüchtigten Smog-Gegenden ist auf einmal sauber. Für die Umwelt bedeutet unser Rückzug ins Private eine kleine Entlastung. Bei all dem könnte man auf die Idee kommen, zu fragen, warum wir uns nicht genauso engagiert wie bei der Virusbekämpfung daran machen, das Klima und die Umwelt zu schützen, schließlich hängt unsere Existenz unmittelbar von beidem ab. Wer langfristig denkt, behält den in der Krise erlernten zurückhaltenden Lebensstil bei, um den eigenen ökologischen Fußabdruck gering zu halten. Außerdem kann man die überraschend viele freie Zeit nutzen, um aktiv zu werden: Fahrrad statt Auto fahren, ein Insektenhotel bauen, eigenes Obst, Gemüse oder Wildblumen anpflanzen.

Wirtschaftlich wirtschaften

Natürlich ist das schlanke Just-in-time-Prinzip für große produzierende Unternehmen attraktiv, allerdings nur, wenn die Lieferkette nie reißt. Depots und Vorratslager wirkten vor der Krise so antiquiert wie das Schönheitsideal eines Peter Paul Rubens. So wie der menschliche Körper gerne kleine Pölsterchen für Notzeiten anlegt, sollte es die Wirtschaft handhaben und sie tut es bereits. Die Globalisierung steht auf dem Prüfstand, es scheint auf einmal nicht mehr absurd, in der eigenen Region produzieren zu lassen, wo Transportwege kurz sind und Know-how verlässlich vorhanden ist. Für Firmen, deren Geschäftsmodell vielleicht schon länger überholt ist, ist es an der Zeit, sich verändern, um zu überleben.

Die Krise kann also helfen, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Fragen wie „Was wollen wir eigentlich?“ oder „Wie wollen wir leben?“ stellen die Weichen in die richtige Richtung. Denn eins steht fest: Ideen zeichnen sich jetzt schon ab und wollen umgesetzt werden, damit es nach der Krise nicht einfach so weiter geht wie zuvor. Wir sind lernfähig und sollten uns das Neue nicht wieder nehmen lassen. Es gibt in „diesen Zeiten“ viele, die über das Leben, das Wie und Wozu, nachdenken.

Die gute Nachricht ist: Sie sind nicht allein.

Geben wir der Krise eine Chance und setzen wir ihr durch positive Veränderungen die Krone auf.

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