Kindesumgang in Corona-Zeiten

03. Aug 2020


meditaxa leben

Die Corona-Pandemie führt nicht grundsätzlich dazu, dass dem nicht betreuenden Elternteil der Umgang mit seinem Kind verweigert werden kann, so das Oberlandesgericht Braunschweig.

Der Vater eines fast sechsjährigen Mädchens hatte beim Familiengericht eine Umgangsregelung erwirkt, die Kontakte mit seiner Tochter am Wochenende mit Übernachtungen vorsah. Dagegen hatte die Mutter Beschwerde zum OLG eingelegt und hierfür Verfahrenskostenhilfe beantragt. Der Antrag hatte keinen Erfolg. Das OLG entschied, dass der Umgang mit dem Vater dem Kindeswohl diene. Die Mutter sei auch nicht berechtigt, die Kontakte aufgrund der Corona-Pandemie zu verweigern. Die Pandemie biete weder einen Anlass, bestehende Umgangsregeln abzuändern, noch, den Umgang auszusetzen. Auch wenn der Vater und das Kind nicht in einem Haushalt lebten, sei der Umgang nicht verboten. Der Umgang zwischen einem nicht betreuenden Elternteil und seinem Kind gehöre zum absolut notwendigen Minimum zwischenmenschlicher Kontakte. Etwas Anderes gelte nur dann, wenn der Kontakt aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht möglich sei, etwa wegen Quarantäne, Ausgangssperre oder der nachweislichen Infektion des umgangsberechtigten Elternteils oder eines Angehörigen seines Haushalts mit COVID-19. Die Erkrankung des Kindes selbst stehe einem Umgang dagegen grundsätzlich auch nicht entgegen, weil der zum Umgang berechtigte Elternteil sein krankes Kind versorgen und pflegen könne.

Quelle: OLG Braunschweig, Beschluss vom 20.05.2020, 1 UF 51/20

Foto: © Robert Kneschke - stock.adobe.com

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