Analog bewerten

11. Aug 2020


Erbringen Ärzte neue ärztliche Leistungen gegenüber PKV-Versicherten oder Selbstzahlern, muss bei der Abrechnung nach einer adäquaten Bewertung gesucht werden. Um eine analoge Bewertung vornehmen zu können, wurde in der GOÄ bereits 1982 die grundsätzliche Möglichkeit angelegt. GOÄ §6: „Selbständige ärztliche Leistungen, die in das Gebührenverzeichnis nicht aufgenommen sind, können entsprechend einer Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistungen des Gebührenverzeichnisses berechnet werden.“ Ein offizielles Analog-Verzeichnis gibt es nicht – eine solche Liste zu erstellen, verwalten und publizieren wäre utopisch – da es sich um Analogien handelt, fehlt es hier an Verbindlichkeit.


HINWEIS

Für alle, die sich bei ihrer eigenen Analogbewertung unsicher sind: Verschiedene Facharztgruppen haben häufige Analogpositionen ihrer Bereiche gesammelt und geben fachbezogene Analogverzeichnisse heraus. GOÄ-Kommentatoren und die BÄK empfehlen verschiedene Analogbewertungen.

Schafft eine Ärztin oder ein Arzt eine eigene Analogbewertung und verwendet diese, müssen die Kriterien des §6 GOÄ unbedingt beachtet werden. Kommt es bei der Abrechnung zum Streit mit der Patientin oder dem Patienten, wird sich ein Gericht wahrscheinlich an den Vorschlägen der BÄK orientieren. Weiter zu beachten ist, dass analoge Bewertungen nur für „selbstständige ärztliche Leistungen“ geschaffen werden, wenn sie noch nicht im Leistungsteil der GOÄ stehen.

Wer eine Analogbewertung sucht, kann folgenden Ablauf zugrunde legen:


  • Leistung beschreiben
  • Ist es eine eigenständige ärztliche Leistung, die nicht in der GOÄ enthalten ist?
  • Zeitaufwand?
  • Womit ist die Leistung vergleichbar?
  • Grundsätzlich dürfen Ärzte eigene Bewertungen erstellen – auch bei BÄK-Empfehlungen.


Damit die Rechnung nach § 12 GOÄ auch fällig ist, darf keiner der folgenden Bestandteile fehlen:
Zuerst die herangezogene GOÄ-Nummer, darunter der Text für die erbrachte Leistung, danach der Hinweis „entsprechend/analog“. Abschließend der Originaltext der erbrachten Leistung, die Übernahme der Zeitvorgaben, danach Faktor und Einzelbetrag. Abrechnungsempfehlungen und Analogbewertungen der Bundesärztekammer:

www.bundesaerztekammer.de/aerzte/gebuehrenordnung/
abrechnungsempfehlungen-und-analogbewertungen/


HINWEIS

Wer beim Leistungstext bewusst einzelne Bestandteile weglässt – Beispiel Mindestzeit – oder bereits vorhandene GOÄ-Positionen nur mit einem anderen Namen versieht, setzt sich dem Vorwurf des Missbrauchs aus. Das kann straf- und berufsrechtliche Folgen haben.


meditaxa Redaktion
Foto: © One Pixel Studio / AdobeStock



Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen