Handwerkskosten: Leistungen in Werkstätten abzugsfähig?

04. Mai 2020


Aufwendungen für Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in der selbst genutzten Wohnung sind – zusätzlich zu haushaltsnahen Dienstleistungen – direkt von der Steuerschuld mit 20 Prozent abziehbar, höchstens 1.200 Euro im Jahr (§ 35a Abs. 3 EStG). Wird ein Teil der Leistung im Haushalt und ein anderer Teil in einer Werkstatt erbracht, ist für viele Finanzgerichte ausschlaggebend, wo der Leistungserfolg eintritt. Geschieht dies im Haushalt, gilt die gesamte Leistung als im Haushalt erbracht.


HINWEIS

Die allgemeine Rechtsauffassung zu Handwerksleistungen, die teilweise im Haushalt oder auf dem eigenen Grundstück erbracht werden, wird von deutschen Finanzgerichten sehr unterschiedlich bewertet. Einige Finanzgerichte vertreten hier eine restriktive Auffassung, wonach sämtliche Handwerksleistungen nur abzugsfähig sind, wenn sie in ihrer Gesamtheit vor Ort, im Haushalt oder auf dem Grundstück, erbracht wurden.

Haustürrenovierung (FG München, Urteil vom 23.02.2015)

Der Austausch einer renovierungsbedürftigen Haustür, die in der Schreinerwerkstatt hergestellt, zum Haushalt geliefert und dort montiert wird, galt insgesamt als begünstigte Renovierungsmaßnahme, weil es sich um eine Leistung handelt, die in unmittelbaren Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werde und der zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung diene. Die „Überarbeitung“ einer Tür (Haus- und Zimmertür) dient dem Haushalt (funktional). In Bezug auf den räumlichen Zusammenhang sei nach Auffassung des Gerichts anzunehmen, dass es, zumindest bei einheitlichen Handwerkerleistungen, unverständlich wäre, wenn der Teil der Leistung, der außer Haus erbracht wird, nicht begünstigt wird. Der räumliche Zusammenhang für die gesamte Leistung sei dadurch gegeben, dass die handwerklich bearbeitete Tür vom gleichen Handwerker im Haushalt montiert wurde.

Reparatur eines Hoftores (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 27.07.2017)

Ein Steuerzahler aus Berlin ließ ein Hoftor reparieren. Dieses wurde ausgebaut, in der Werkstatt eines Tischlers repariert und wieder vor Ort eingebaut. Nach Ansicht des Finanzgerichts
handelte es sich im kompletten Umfang um steuerlich begünstigte Handwerksleistungen „im Haushalt“ des Steuerzahlers, da es sich um einen mit dem Haushalt verbundenen Gegenstand handelt, der rein für Zwecke der Reparatur aus dem Haushalt entfernt und nach Abschluss der Arbeiten wieder in den Haushalt gebracht wird. Entscheidend für das FG war der Eintritt des Leistungserfolges und dieser war auf dem Grundstück des Steuerzahlers.

Schreinerarbeiten an Türen (FG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 26.02.2018)

Ein Steuerzahler ließ bei einem Schreiner eine Tür anfertigen, verzinken und im Haus montieren. Das Finanzamt berücksichtigte nur die Aufwendungen für die Montage und lehnte die Berücksichtigung der übrigen Aufwendungen ab.
Nach Ansicht des Finanzgerichts waren die gesamten Handwerkerleistungen berücksichtigungsfähig, da der Begriff des Haushalts räumlich-funktional auszulegen ist und die Grenze des Haushalts nicht ausnahmslos durch die Grundstücksgrenze abgesteckt sei.

Statikberechnung für Hausdachrenovierung
(FG Baden-Württemberg, Urteil vom 04.07.2019 – Revisionsverfahren beim BFH, Az: VI R 29/19)

Interessant in dem Fall ist, dass die Aufwendungen im Wesentlichen für Berechnungstätigkeiten im Büro des Statikers und nicht im Haushalt der Steuerzahler angefallen sind. Das Finanzgericht entschied, dass es sich auch bei einer notwendigen statischen Berechnung im Vorfeld einer Sanierungsmaßnahme am Hausdach um eine begünstigte Handwerkerleistung handelt. Die Entscheidung durch den Bundesfinanzhof ist bisher (Stand 07/2020) noch offen.


HINWEIS

Kommt es bei ähnlichen Sachverhalten in Bezug auf Handwerksleistungen, die teilweise im Haushalt und teilweise in der Werkstatt erbracht wurden, zu einer Ablehnung entsprechender Aufwendung beim Finanzamt, empfiehlt es sich, den Fall offen zu halten und auf die beim BFH anhängigen Revisionsverfahren hinzuweisen.


Quelle: meditaxa Redaktion | Der Steuerzahler 05/2020

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