Vielleicht unromantisch aber zumindest fair

03. Nov 2020

Vielleicht unromantisch aber zumindest fair

Die durchschnittliche Lebenserwartung der deutschen Ehen beträgt ca. 15 Jahre. Laut statistischem Bundesamt werden ungefähr 150.000 Ehen pro Jahr geschieden.
Nicht jede Ehe wird durch einen Ehevertrag „abgesichert“ – was für viele unromantisch ist, kann als eine faire vertragliche Regelung für Unternehmer und Vermögende mehr Sicherheit bieten, denn…
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Foto: © shevtsovy / AdobeStock


Bringt einer der beiden Ehepartner deutlich mehr Vermögen mit oder ist im Besitz eines Unternehmens, gilt der Gedanke eines Ehevertrags nicht als unromantisch, sondern vernünftig.  Kommt es zu einer Scheidung, kann der Zugewinnausgleich ein über Generationen aufgebautes Familienvermögen zerschlagen oder eine Ausbezahlung die geschäftliche Existenz bedrohen.

Die Sicherheit betrifft bei einer Scheidung nicht nur das poten­tiell vorhandene Vermögen, sondern auch mögliche Schulden: Sind die Vermögensverhältnisse durch einen Ehevertrag getrennt, können gerade Partner von Unternehmern bei einer Pleite besser vor den finanziellen Folgen geschützt werden. Durch geschickte Gestaltung kann trotz geschäft­licher Insolvenz so zum Beispiel ein Wohnhaus für die Familie erhalten werden.

Im Streitfall – selbst bei einer einvernehmlichen Scheidung – kann es selbst bei geringen Vermögenswerten einige tausend Euro kosten. Denn je mehr gestritten wird und je größer die im Raum stehenden Summen sind, desto teurer wird es. Der Ehevertrag schafft von vornherein Klarheit. Beide Ehepartner wissen immer, was eine Trennung finanziell bedeutet.
Wichtig für Auswanderer und Ehepartner aus dem Ausland: Schon bei unseren direkten europäischen Nachbarn gelten teilweise völlig andere Regelungen für die finanziellen Folgen einer Scheidung. Um hier unliebsame Überraschungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass auf jeden Fall deutsches Recht gilt, sollte die bevorzugte nationale Rechtsordnung vertraglich festgelegt werden.

Kein Ehevertrag? Dann zumindest an den Güterstand denken

Zugewinngemeinschaft: In Ehen ohne Ehevertrag gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft. Dabei bleiben die Vermögen der Eheleute getrennt, also bestehendes Vermögen, zukünftige Erbschaften aber auch Schulden werden einzeln zugerechnet. Steigt das Vermögen allerdings während der Ehe, wird dieser Zugewinn bei einer Scheidung aufgeteilt. Während der Ehe können zum Beispiel Immobilien getrennt oder gemeinsam erworben werden oder Kreditverträge nur von einem oder beiden abgeschlossen werden.
Gütertrennung: Um im Falle einer Scheidung auch die Vermögenssteigerung getrennt zu halten, kann notariell in einem Ehevertrag Gütertrennung vereinbart werden. Jeder Ehegatte kann dann allein über sein Vermögen verfügen und es gibt bei einer Scheidung keinen Zugewinnausgleich. Allerdings hat das im Falle einer Erbschaft zwischen den Eheleuten auch steuerliche Nachteile im Vergleich zum gesetzlichen Standard.

Gütergemeinschaft: Hier gilt das Vermögen beider Ehepartner als gemeinschaftliches Vermögen. Das betrifft aber auch die Schulden, selbst wenn die nur von einem Partner während der Ehe gemacht werden. Eheverträge mit Gütergemeinschaft sind kompliziert und werden nur noch selten bei Notaren beurkundet.

meditaxa Redaktion

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