COVID-19: Gefälligkeiten

09. Feb 2021

Die Maske ist im Alltag der Pandemie unsere ständige Begleiterin, um ein öffentliches „Miteinander“ so sicher wie möglich zu gestalten. Was für den einen ein Zeichen der Verantwortung und Rücksicht ist, kann für den anderen schnell zur Belastung werden – manchmal auch zur gesundheitlichen Belastung. In dem Fall können Ärzte einzelnen Patienten  Atteste ausstellen, die sie aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreien.

Doch Vorsicht: Seit die Maskenpflicht für schulpflichtige Kinder und Jugendliche gilt, tauchen immer wieder Atteste auf, die einzelnen Patienten bescheinigen, aus gesundheitlichen Gründen keine Masken tragen zu können, die aber sowohl aus medizinischer als auch aus rechtlicher Sicht fragwürdig erscheinen. Bisher sind Fälle aus Bayern und Brandenburg bekannt, bei denen Schüler Atteste zur Maskenbefreiung vorwiesen, die von ein und derselben Arztpraxis vor Ort stammten. Ein Schüler reichte ein Attest ein, dass von einem Heilpraktiker und Zahnarzt ausgestellt wurde – er habe eine Angst- und Panikerkrankung, ein Schlafapnoesyndrom, eine Dyspnoe und eine Mundatmung, welche ihn von der Pflicht entbinden sollten, eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen zu müssen. Der Schulleiter der Brandenburger Schule erkannte das Attest nicht an und sah sich daraufhin vor Gericht wieder. Das Verwaltungsgericht Potsdam stellte daraufhin klar, dass Heilpraktiker keine Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausstellen können. Diese haben eine andere Ausbildung und seien keine approbierten Ärzte. Zahnärzte dürfen Atteste diesbezüglich nur ausstellen, wenn eine entsprechende  zahnärztliche Diagnose vorliegt.

Auch wenn die Belastung für Kinder und Jugendliche, die das stundenlange Tragen einer Maske mit sich bringt, nachvollziehbar ist, sollten Ärzte generell auf Gefälligkeitsatteste verzichten – auch für andere Patienten. Die Behörden sehen momentan genau hin, weshalb eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung entsprechend des medizinischen Standards unumgänglich sind. Wer Atteste „willkürlich“ ausstellt, verstößt nicht nur gegen die Berufsordnung, sondern macht sich unter Umständen auch strafbar. Ob die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Maskenpflicht vorliegen, wird vom Gericht anhand der medizinischen Gründe geprüft. Ärzte sollten demnach – selbst wenn sie persönlich die infektiologische Sinnhaftigkeit einer Mund-Nasen-Bedeckung infrage stellen – nicht den überwiegenden gesellschaftlichen Konsens über das Tragen von Masken, die Empfehlungen des RKI und die Grundsatzentscheidung des Gesetzgebers ignorieren.

meditaxa Redaktion

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