Kaufpreisaufteilung auf Grund und Gebäude

10. Mai 2021

Die Anschaffungskosten von „Grund und Gebäude“ lassen sich als Werbungskosten von der Steuer absetzen, jedoch gilt dies nur für die Immobilie, die auf dem Grundstück steht, nicht für den Bodenanteil. Es ist nicht immer einfach zu ermitteln, welcher Anteil des Kaufpreises aufs Grundstück und welcher auf das Gebäude an sich entfällt. Aus diesem Grund wurde vom Bundesfinanzministerium eine Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung erarbeitet, die Steuerpflichtige bei dieser Aufgabe unterstützen sollte. Diese scheint aber nicht gut gelungen zu sein: Kommt es zwischen dem Finanzamt und den Steuerzahlern nach einem Wohnungs- oder Hauskauf zum Streit über die Aufteilung des Kaufpreises auf Haus und Hof, dürfen die Finanzgerichte die Arbeitshilfe des Bundesfinanzministeriums nicht mehr heranziehen.

Im Streitfall hatte eine Steuerpflichtige eine Eigentumswohnung in der Stadt für 110.000 Euro gekauft. Der Kaufpreis setzte sich aus dem Wert von Gebäude und Grundstück zusammen. Auf das Grundstück sollten laut Vertrag nur 20.000 Euro entfallen. In ihrer Feststellungserklärung für das Streitjahr 2017 berücksichtigte die Klägerin eine AfA-Bemessungsgrundlage in Höhe von 96.547,47 Euro. Dabei legte sie die Kaufpreisaufteilung des notariellen Kaufvertrags zugrunde und berechnete einen Gebäudeanteil von 81,81 % (20.000/110.000). Das Finanzamt hingegen kam auf einen Gebäudeanteil von 31 Prozent unter zu Hilfenahme der Arbeitshilfe des Bundesfinanzministeriums. Die Angelegenheit wurde streitig und das Finanzgericht entschied in erster Instanz zugunsten des Finanzamtes. Die Arbeitshilfe reiche als geeignete Schätzungshilfe aus, um zu widerlegen, dass die vertraglich geregelte Kaufpreisaufteilung marktangemessen sei.

Der Bundesfinanzhof sah das anders: Mit der Arbeitshilfe des BMF könnten die realen Verkehrswerte von „Grund und Gebäude“ nicht ermittelt werden. Die von der Rechtsprechung geforderte Aufteilung nach den realen jeweiligen Verkehrswerten sei nicht gewährleistet. Demnach muss bei einer streitigen Grundstücksbewertung der Gebäudeanteil durch das Gutachten eines unabhängigen vereidigten Sachverständigen ermittelt werden.

meditaxa Redaktion | Quelle: BFH Urteil vom 21.07.2020, Az. IX R 26/19

Foto: pch.vector / Freepik

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