01.02.2026
Quidproquo: Aus der gefühlten Notwendigkeit, sich in Zeiten der Inflation und Debatten über die Rentenlücke in
Sachen Finanzen fortzubilden, hat sich ein Marktfenster für autodidaktische Finanz- und Steuercoaches geöffnet.
Der Weg in die „finanzielle Freiheit“ führt mit stolzen Preisen (ab 10.000 Euro) durch Infotainment-Angebote und Onlineschulungen von der individuellen Stange. Natürlich pflastern dabei etliche „Erfolgsgeschichten“ den Weg. Bei all der Euphorie ist schnell vergessen, dass die klassischen Paragrafenreiter und Gesetzesinterpretatoren, kurz Steuerberater, nicht nur eine Berechtigung haben, sondern eine Notwendigkeit sind – als klare Navigatoren durch das sich ständig verändernde Steuerrecht und individuelle Fallstricke.
Investition in gute Steuerberatung – eine kluge finanzielle Entscheidung?
Das deutsche Steuerrecht umfasst mehrere tausend Paragrafen. Jährlich wird es um viele Gesetzesänderungen angepasst. Für medizinische Berufe kommen noch spezielle Regelungen hinzu. Die Details zu den „einfachen“ Einkünften aus freiberuflicher Tätigkeit sind komplex, vor allem, wenn die Freiberuflichkeit in einen Gewerbebetrieb „kippt“ oder bei bestimmten Konstellationen in einem MVZ sowie die steuerlichen Aspekte bei Einkünften aus einer angestellten Tätigkeit (Honorarärzte). Ständige Gesetzesänderungen erschweren den Überblick: Neue Abschreibungsregeln, geänderte Freibeträge, angepasste Regelungen zur Umsatzsteuer, Scheinselbstständigkeit – die Liste ist lang. Wo bleibt Ärzten, die sich eigenständig um ihre Steuerangelegenheiten kümmern, die Zeit für Patientenversorgung und medizinische Fortbildung?
In Sachen Steuerrecht müssen (spezialisierte) Steuerberater auf dem Laufenden bleiben, denn das ist ihr Job.
Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder MVZ?
Weitreichende steuerliche Konsequenzen warten bereits mit der Wahl der richtigen Organisationsform und diese kann nicht einfach so rückgängig gemacht oder geändert werden: Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis, Praxisgemeinschaft, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) – sie haben alle ihre steuerlichen Vor- und Nachteile und sind an verschiedene Voraussetzungen und steuerrechtliche Regelungen gebunden. Hier ist es wichtig, Fachleute beratend und begleitend zur Seite zu haben, die die individuelle Situation und langfristige Ziele berücksichtigen, damit Ärzte eine optimale Strukturentscheidung treffen können.
AfA mit Durchblick
Je nach Fachrichtung können Investitionen in die Praxisausstattung schnell sechsstellige Beträge erreichen. Die Wahl der Abschreibung für Abnutzung (AfA) – Lineare AfA, Degressive AfA oder Sonder-AfA sowie Sofortabschreibung für Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) – und der Investitionszeitpunkt sind wichtig für die steuerliche Gestaltung und die Liquidität. Durch gute Steuerberatung kann geklärt werden, ob kostenintensive Anschaffungen im laufenden Jahr oder zu Beginn des Folgejahres sinnvoll sind und ob Komponenten einer Anschaffung ggf. separat abgeschrieben werden können. Allgemeine „Tipps von der Stange“ sind hier nicht hilfreich.
Betriebsausgaben: Wer hat schon Geld zu verschenken?
Steuerberater wissen, was absetzbar ist und die Liste möglicher Betriebsausgaben ist lang: Fortbildungskosten, Fachzeitschriften/-literatur, ein häusliches Arbeitszimmer, berufliche Versicherungen (Berufshaftpflicht, Praxisausfallversicherung, etc.), beruflich veranlasste Fahrten, Geschäftsessen, Mitgliedsbeiträge, Marketing, ... Ausgaben, die Laien eher den Betriebsausgaben zuordnen würden, bewertet das Finanzamt ggf. als Privatausgaben. Hier kann es dann zu Nach- oder sogar Strafzahlungen kommen. Steuerberater wissen um den schmalen Grat zwischen Privat- und Betriebsausgaben und sorgen dafür, dass Möglichkeiten der Absetzbarkeit nicht verschenkt und die Grenzen der Zulässigkeit gewahrt werden.
Umsatzsteuer? Aber doch nicht bei Ärzten! Oder?
Grundsätzlich sind ärztliche Heilbehandlungen von der Umsatzsteuer befreit, doch in einigen Praxen gibt es eine Mischung aus steuerfreien und steuerpflichtigen Umsätzen:
Betriebsprüfung ohne Damoklesschwert
Die Prüfer des Finanzamts sind darin geschult, Unregelmäßigkeiten und „Verdächtiges“ zu finden. Bei Praxen mit höheren Umsätzen sind regelmäßige Betriebsprüfungen keine Seltenheit. Unvorbereitet findet man sich schnell in einer Rechtfertigungsposition wieder. Steuerberatene werden auf Betriebsprüfungen entsprechend vorbereitet: Relevante Unterlagen werden durchgesehen auf Vollständigkeit geprüft und optimiert, kritische Punkte werden identifiziert und im Vorfeld korrigiert und – ein wichtiger Punkt – die Kommunikation mit den Prüfern übernimmt die Steuerberaterin bzw. der Steuerberater. So können auch Streitpunkte professionell und fachkundig argumentiert werden. Abgesehen von der zeitlichen und mentalen Entlastung, die Betriebsprüfung nicht selbst vorzubereiten und durchstehen zu müssen, fallen hier die Kosten für die Steuerberatung in Relation zu einer drohenden Nachzahlung deutlich geringer aus.
Im beratenen Bestfall läuft eine Betriebsprüfung so ab: Sie wurden geprüft, es ist alles in Ordnung – das ist echtes Infotainment.
Heute schon an morgen denken – Altersvorsorge
Angestellte Ärzte sind meist über die Versorgungswerke abgesichert. Wer seinen gewohnten Lebensstil auch im Alter aufrechterhalten will, muss auf zusätzliche Vorsorgemodelle zurückgreifen, z. B. eine betriebliche Altersvorsorge (bAV). Diese ist an ein Arbeitsverhältnis in Anstellung geknüpft und wird in Form einer Entgeltumwandlung aufgebaut. Niedergelassene können aber durch andere, steuerlich begünstigte Formen der Altersvorsorge wie die Rürup-Rente (Basisrente) eine ähnliche Absicherung schaffen, die steuerliche Vorteile und Insolvenzschutz bietet. Besteht aus einer früheren Anstellung eine bAV, kann diese privat fortgeführt werden. Zusätzlich können vermögenswirksame Leistungen (für Angestellte oder Gesellschafter eines MVZ in Form einer GmbH), Immobilieninvestitionen oder andere Vorsorgemaßnahmen interessant sein. Über die verschiedenen Vorsorgemodelle gibt die Steuerberatung Aufschluss und erleichtert die individuelle Planung.
Apropos Planung: vorausschauender Umgang in der Steuergestaltung
Mit der selbstgemachten Steuererklärung spart man zwar das Steuerberaterhonorar, man arbeitet aber auch rückwärtsgewandt. Denn bearbeitet wird das vergangene Jahr, ggf. mit dem Vorsatz, das Beste daraus zu machen. Mit der richtigen Steuerberatung schlägt man eine proaktive Richtung ein: Innerhalb der Quartale wird analysiert, geplant, optimiert – gemeinsam mit den Fachleuten wird nicht einfach nur das Vorjahr für das Finanzamt dokumentiert, Ärzte gestalten ihre finanzielle und steuerliche Situation im laufenden Kalenderjahr aktiv mit.
FAZIT
Spezialisierte Steuerberater leisten weit mehr als das bloße Interpretieren von Paragrafen und Ausfüllen von Formularen. Beraten und begleitet wird die steuerliche und finanzielle Gestaltung, die nicht selten Auswirkungen auf die berufliche und private Situation ihrer Mandanten hat. Wer das Navigieren durch die Komplexität des Steuerrechts an Experten delegiert, erhält zwar kein Zertifikat von einem Steuercoach, kann aber auf echte Steueroptimierung, vermiedene Fehler und gewonnene Zeit anstoßen.
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meditaxa Redaktion